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Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2022-2023

Dornmayr Helmut, Löffler Roland
Bericht · Wien · 2024

Der vorliegende Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich mit dem Fokus auf die Jahre 2022 und 2023 ist geprägt von einer Art Rückkehr zum „Normalzustand“, nachdem die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des sog. „Coronavirus“ (COVID-19-Erkrankungen) in den Jahren 2020 und 2021 sowohl zu einem Rückgang der Zahl der Lehrlinge (be-dingt u.a. durch die Erleichterung der Aufstiegsregeln in den weiterführenden Schulen auf Basis der COVID-19-Schulverordnungen) als auch zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit geführt hatten. Immerhin kann zum derzeitigen Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass die Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft bzw. das Bildungswahlverhalten der Jugendlichen nicht nachhaltig und dauerhaft waren. Vor allem im Tourismus konnte aber der 2020 („Corona-Pandemie“) erfolgte starke Rückgang der Lehrlingszahlen noch nicht wieder kompensiert werden. Generell ist dies ohnehin jene Lehrberufsgruppe mit dem stärksten (relativen) Rückgang an Lehrlingen in den letzten 15 Jahren: Die Zahl der Lehrlinge in der Lehrberufsgruppe „Tourismus/Gastgewerbe/Hotellerie“ betrug 2023 (7.189) nicht einmal mehr die Hälfte des Wertes von 2008 (14.755). Der Tourismus ist damit im Hinblick auf die Entwicklung der Lernenden sicherlich die herausforderndste Branche und bedarf daher besonderer Aufmerksamkeit.
Insgesamt lag die Zahl der Lehrlinge im 1. Lehrjahr Ende Dezember 2023 (34.082 Lehrlinge im 1.Lehrjahr) wieder leicht über dem Niveau von 2019 (“Vor-Corona“). Der Anteil der Jugendlichen eines Altersjahrgangs, welche sich für den Beginn einer Lehrausbildung entscheiden, lag gemäß vorläufiger Daten im Jahr 2023 (39,1%) etwas unter dem Niveau von 2019 (39,6%), dieser Anteil ist langfristig recht stabil.
Relativ positive Signale kommen auch vom Arbeitsmarkt: Im Jahresdurchschnitt 2023 lag die Arbeits-losenquote der Unter-25-Jährigen mit 5,9% unter dem „Vor-Corona-Niveau“ von 2019 (6,3%), sowie auch unter den Arbeitslosenquoten der 25-49-Jährigen (6,3%) bzw. der Über-50-Jährigen (6,9%). Auch im internationalen Vergleich lag Österreichs Jugendarbeitslosenquote (gemäß internationaler Berech-nung) 2023 mit 10,4% deutlich unter dem Vergleichswert der EU-27-Länder (14,5%). Anlass zur Sorge bereitet allerdings der Umstand, dass die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-jährigen in den letzten 10 Jahren in Österreich etwa auf diesem Niveau verharrte, während sie im Gegensatz dazu in den EU-27-Ländern stark gesunken ist.
Die Zahl der beim AMS vorgemerkten offenen Stellen, welche ja nur einen Teil der bei den Unterneh-men verfügbaren offenen Stellen umfassen, befand sich 2023 auf einem sehr hohen Niveau (nur 2022 lag diese noch höher). Dasselbe gilt auch für die Zahl der offenen Lehrstellen. Gerade dies zeigt auch die nach wie vor große Herausforderung des Fachkräftemangels in Österreich. Mit dem Rückgang an Jugendlichen und Lehrlingen in den letzten Jahrzehnten sind lange Zeit auch die Zahl der Lehrbetriebe sowie der Anteil der Lehrlinge an den Beschäftigten kontinuierlich gesunken. In Zusammenhang mit der bevorstehenden massiv steigenden Zahl an Pensionierungen (der sog. „Babyboomer-Generation“) ist daher davon auszugehen, dass die Zahl der ausgebildeten Fachkräfte nicht ausreicht, um den bestehenden und noch verstärkt drohenden Fachkräftemangel hintanzuhalten. Dieser ist bereits in vielen Branchen und Regionen massiv spürbar. Als besondere Herausforderung der österreichischen Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik kann die Problematik des regionalen „Mismatch“ von Angebot und Nachfrage betrachtet werden, d.h. einem relativ hohen Arbeitskräfteangebot in Wien steht ein beson-ders hoher Fachkräftemangel in manchen (vor allem den westlichen) Bundesländern gegenüber, und das obwohl in diesen Bundesländern die Bedeutung und Inanspruchnahme der Lehrlingsausbildung ohnehin viel höher ist als im Osten Österreichs.
Gleichzeitig gibt es nach wie vor eine relevante Zahl an Jugendlichen, deren Ausbildungs- und Ar-beitsmarktintegration als unzufriedenstellend bezeichnet werden muss (Jugendliche mit Migrationshin-tergrund sind darunter stark überrepräsentiert). Rund 7% der Jugendlichen verlassen die Pflichtschule ohne weitere Folgeausbildung, dazu ist noch die Zahl der späteren (endgültigen) Drop-Outs im weiterführenden Bildungswesen zu ergänzen. In Summe verfügen dadurch in Österreich rund 16% der 20-24-Jährigen und rund 10% der 25-29-Jährigen über keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss.
Angesichts der hohen lebensbiographischen Bedeutung einer erfolgreichen Ausbildungs- und Ar-beitsmarktintegration für Jugendliche und nicht zuletzt auch angesichts des Fachkräftemangels in Österreich erfordert dies dringenden Handlungsbedarf. Es bedarf attraktiver Impulse und Anreize zur Steigerung der Ausbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsbereitschaft von Jugendlichen (insbeson-ders auch jener mit Migrationshintergrund).
Der vorliegende Bericht zeigt aber auch, dass Österreich grundsätzlich über ein ausgeprägtes und differenziertes System zur Förderung und Unterstützung der beruflichen Bildung und der Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit verfügt. Die Lehrlingsausbildung in dualer Form (Betrieb und Berufsschu-le) gilt dabei auch international als besonders arbeitsmarktnahes Vorzeigemodell, das in Österreich zudem über spezifische Ausprägungen zur Förderung benachteiligter Jugendlicher verfügt. In beson-derer Weise sind hierbei die Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) und die Möglichkeit zur (individu-ellen) Lehrzeitverlängerung zu nennen. Letztere kann als eines jener seltenen Angebote betrachtet werden, in denen benachteiligten Jugendlichen, die ansonsten häufig besonders früh aus dem Bil-dungssystem ausscheiden, ein Plus an Ausbildungsintensität und Ausbildungszeit ermöglicht wird, das sie für eine erfolgreiche Berufslaufbahn auch dringend benötigen.

Zitieren

Dornmayr, H. & Löffler, R. (2024). Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2022-2023. Wien: ibw und öibf.

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Bericht · Wien · 2025
Löffler, Roland, Kessler G., Quickmann L., Schnell, Phillipp